Aktivitäten 2008


Angriffe auf Gedenkstättenleiter abgewehrt


Anfang Januar 2008 erschien in der „Berliner Zeitung“ ein empörender Artikel, der den Direktor der Gedenkstätte, Hubertus Knabe, durch Halbwahrheiten, Unwahrheiten und Schmähungen zu diskreditieren versuchte. Fördervereinsmitglieder solidarisierten sich mit dem Angegriffenen. In öffentlichen Stellungnahmen, aber auch in Gesprächen im vorpolitischen Raum wurde herausgestellt, dass die Zusammenarbeit mit Dr. Knabe und seinen Mitarbeitern stets geprägt war von persönlicher Wertschätzung, gegeseitigem Vertrauen und effizienter Bewältigung unterschiedlicher Aufgaben.


Hohe Auszeichnungen für Gründungsmitglieder des Fördervereins


Die Bürgerrechtlerin und Publizistin, unser Gründungs‑ und Vorstandsmitglied Vera Lengsfeld wurde am 14. März 2008 mit dem Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet. Die Verleihung fand auf Wunsch von Frau Lengsfeld in den Räumen der Gedenkstätte statt. Sie wolle damit auf die Gedenkstätte als ein Projekt ehemaliger politischer Häftlinge gegen das Vergessen aufmerksam machen, sagte sie. Die Ehrung würdigte ihre Verdienste um die Erinnerung an Ursachen und Folgen der SED‑Diktatur.

Ebenfalls ausgezeichnet wurde im Jahr 2008 der renomierte Publizist, unser Gründungsmitglied Karl Wilhelm Fricke.
Er erhielt den „Einheitspreis der Bundeszentrale für Politische Bildung“, weil er nach der Wiedervereinigung mit seinen Arbeiten und Beiträgen erheblich zur Aufarbeitung und Überwindung der Folgen der SED‑Diktatur und damit auch zum Zusammenwachsen der zwei deutschen Staaten beigetragen hat.


Mitgliedsbeiträge und Spenden für Förderprojekte

Die Arbeit der Gedenkstätte konnte auch im Jahre 2008 materiell gefördert werden. So unterstützte der Förderverein den Schülerwettbewerb „Zeugen des Unrechts ‑ Politische Gefangene nach 1945“. Den ersten Preis im Bereich der Sekundarstufe I erhielten die Schüler Lukas Berg (14) und Ludwig Labuzinski (15), Klasse 9d vom John‑Lennon‑Gymnasium aus Berlin‑Mitte. Sie hatten eine ehemalige Jugendliche aus Ostdeutschland porträtiert, die mit dem DDR‑Staat in Konflikt geriet und deshalb verhaftet wurde.

Den ersten Preis im Bereich der Sekundarstufe II bekam die Schülerin Lisanne Wiegand (16), 12. Jahrgang vom Paulsen‑Gymnasium aus Berlin‑Steglitz. Sie hatte eine Frau aus der DDR beschrieben, deren Kind in West‑Berlin zu einer medizinischen Behandlung war, als 1961 die Mauer gebaut wurde. Wegen eines Fluchtversuches wurde die Mutter 1964 verhaftet.
Der erste Preis war jeweils mit 150 Euro dotiert und wurde vom Förderverein gestiftet.

Das Theater‑Projekt „Akte R“, das den Lebensweg eines politisch Inhakftierten in der DDR nachzeichnet, wurde mit 2.000 Euro gefördert. Der Förderverein hat die Entwicklung dieses Dramas finanziert, weil dieses Stück sich vor allem an Schülerinnen und Schüler ab 15 Jahren wendet.

Die Premiere wurde im Theater Strahl Berlin im November gefeiert. Auch in der Gedenkstätte fanden bereits Vorstellungen statt. Es bleibt zu hoffen, dass das Stück sowohl in Berlin als auch außerhalb der Stadt noch viele Zuschauer finden wird.

Ende September trafen sich etwa 40 Schülerzeitungsredakteure in der Gedenkstätte zum bundesweiten Schülerwettbewerb „Freiheit wird selbständig“. Die Jungredakteure führten Zeitzeugeninterviews, recherchierten in Stasi‑Akten und „fahndeten“ in der Umgebung des früheren Stasi‑Gefängnisses nach einstigen Tätern.
Dieser Wettbewerb wurde aus Mitgliedsbeiträgen und Spenden
mit 2.518,99 Euro vom Förderverein unterstützt.

Zu den Förderprojekten im weiteren Sinne gehört auch der Hohenschönhausen‑Preis zur Aufarbeitung der kommunistischen Diktatur (Preisgeld 5.000 Euro).


Hohenschönhausen‑Preis erstmals verliehen,
Ehrung geht 2008 an den Schriftsteller Joachim Walter


Nach umfangreichen Vorbereitungen hat der Förderverein im Juni 2007 einen Preis ausgelobt, um zur kritischen Auseinandersetzung mit der kommunistischen Diktatur anzuregen. Die Auszeichnung trägt den Namen „Hohenschönhausen‑Preis zur Aufarbeitung der kommunistischen Diktatur“. Der Verein hat den mit 5000 Euro dotierten Preis erstmals 2008 vergeben.„
Der Schriftsteller Joachim Walther erhielt am 26. November 2008 den Hohenschönhausen‑Preis zur Aufarbeitung der kommunistischen Diktatur erhalten. Die mit 5000 Euro dotierte Auszeichnung wurde zum ersten Mal durch den Förderverein Gedenkstätte Berlin‑Hohenschönhausen vergeben. Mit dem Preis werden Persönlichkeiten gewürdigt, die sich in besonderer Weise um die Aufarbeitung der SED‑Diktatur verdient gemacht haben.
Nach Ansicht der vom Förderverein eingesetzten Jury hat der 1943 in Chemnitz geborene Preisträger in vorbildlicher Weise zur Aufarbeitung der SED‑Diktatur beigetragen. Nach dem Ende der DDR erforschte er in jahrelangen Recherchen die Durchdringung des DDR‑Literaturbetriebes durch den Staatssicherheitsdienst und legte dazu das grundlegende Werk „Sicherungsbereich Literatur“ vor. Anschließend suchte er in mühseliger Arbeit nach literarischen Texten, die in der DDR nicht veröffentlicht werden konnten, und initiierte zusammen mit Ines Geipel das „Archiv unterdrückter Literatur in der DDR“.

Seit 2005 gibt Walther „Die verschwiegene Bibliothek“ heraus, eine Edition mit in der DDR unterdrückten Texten, die 2009 mit Band 12 abgeschlossen werden soll. Auch mit mehreren audiovisuellen Dokumentationen wie „Erich Mielke ‑ ein deutscher Jäger“ (1995) sowie „Stille Offenbarung ‑ Schriftsteller und Staatssicherheit“ (1996) hat er die Aufarbeitung der SED‑Diktatur befördert. Wie der Förderverein hervorhob, hat Walther diese Aufklärungsarbeit fast zwei Jahrzehnte lang ohne institutionellen Hintergrund und trotz Anfeindungen aus dem ehemaligen DDR‑Literaturbetrieb geleistet.
Joachim Walther wurde selber in der DDR seit 1969 durch den Staatssicherheitsdienst überwacht. 1978 musste er seine Arbeit als Redakteur der DDR‑Literaturzeitschrift „Temperamente“ aufgeben. Er zog sich daraufhin nach Mecklenburg zurück und schrieb Romane und Erzählungen. In den neunziger Jahren wurde er mehrfach mit Hörspiel‑ und Hörfunkpreisen ausgezeichnet.
Näheres erfahren Sie, wenn Sie den Bottom „Hohenschönhausen‑Preis“ drücken.
Nach umfangreichen Vorbereitungen hat der Förderverein im Juni 2007 einen Preis ausgelobt, um zur kritischen Auseinandersetzung mit der kommunistischen Diktatur anzuregen.

Förderverein weiter auf Erfolgskurs

Auf steigende Resonanz stößt das Nachrichteninfo des Fördervereins. Die gedruckte Auflage liegt derzeit bei 1000 Exemplaren, die Verteilung auf dem elektronischen Wege erreicht weit über 1000 weitere Adressen.

Nachrichteninfo_10_2008 (pdf, 731 kb)

Nachrichteninfo_11_2008 (pdf, 545 kb)

Nachrichteninfo_12_2008 (pdf, 554 kb)

Nachrichteninfo_13_2008 (pdf, 452 kb)


Die Zahl der Mitglieder ist 2008 erneut deutlich gestiegen. Fünf Jahre nach seiner Gründung konnte der Förderverein das 100. Mitglied begrüßen. Entwicklung: 2003 = 19 Mitglieder, 2004 = 22 Mitglieder, 2005 = 26 Mitglieder, 2006 = 42 Mitglieder, 2007 = 68 Mitglieder, 2008 = 100 Mitglieder, von denen vier im Ausland leben.

Am 1. April besuchte der Vorstand des Fördervereins die Erinnerungsstätte Notaufnahmelager Marienfelde. Eine Kooperation zwischen Förderverein und Erinnerugsstätte wurde vereinabrt.
Anfang Juni haben in Berlin rund 20 Mitglieder während eines informellen Treffens die Vereinsarbeit erörtert. Bei der ordentlichen Mitgliederversammlung im November 2008 wurden weitere Anregungen für Aktivitäten im Jahre 2009 benannt. Zur Vertiefung der Kontakte hielt der Vorsitzende des Fördervereins auf Einladung unseres Mitglieds Dr. Volker Wissing zwei gut besuchte Vorträge in Landau/Pfalz



Betreuung prominenter Besucher

Der Förderverein hat auch 2008 dazu beigetragen, dass prominente Politiker zu einem Besuch der Gedenkstätte veranlasst werden konnten und diese von Migliedern des Fördervereins durch die Anlage geführt wurden.

                       

                       
Bemerkenswert waren u.a. die Besuche von Bundestagspräsident Norbert Lammert, Bundesfinanzminister Peer Steinbrück, Bundesverteidigungsmister Franz Josef Jung und Bundesjustizministerin Brigitte Zypries sowie Bundesminister für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit Sigmar Gabriel.
Hinzu kamen Führungen durch Fördervereinsmitglieder bei Besuchen von zahlreichen Bundestagsabgeordneten und Landesministern sowie Landtagsabgeordneten. Schließlich hielt am 02. Oktober 2008 der Chef des Bundeskanzleramtes, Bundesminister Dr. Thomas de Maizière, auf dem ersten internationalen Hohenschönhausen‑Forum in der Gedenkstätte Berlin‑Hohenschönhausen eine beachtenswerte Rede.