Aktivitäten des Fördervereins 2017



Förderverein finanziert Workshop
„Geschichte erfahren und künstlerisch gestalten”

Unter dem Motto „Geschichte erfahren und künstlerisch gestalten” organisierte die Pädagogische Arbeitsstelle der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen im vergangenen Jahr Workshops mit dem Maler und Bildhauer Gino Kuhn. Daran beteiligt waren insgesamt 70 Schüler, deren Arbeiten die Gedenkstätte am 10.Januar auf einer Vernissage präsentierte. Jedes Bild und jede Plastik veranschaulichten die persönlichen Eindrücke und Empfindungen der Jugendlichen über die Haft im ehemaligen Untersuchungsgefängnis der Stasi.
Nach einer Begrüßung durch den stellvertretenden Direktor Helmuth Frauendorfer sowie Christine Sauerbaum-Thieme, Vorstandsmitglied des Fördervereins der Gedenkstätte, wurden auf der Vernissage die besten Werke prämiert. Neben der künstlerischen Qualität bewertete die Jury vor allem, wie sich die Jugendlichen mit dem Haftort auseinandergesetzt haben. Zu den Gästen der Veranstaltung zählte außerdem Regina Ultze, Mitarbeiterin der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Wissenschaft. In ihrer Ansprache betonte sie, dass Kunst-Workshops wie diese die demokratischen Wertevorstellungen von Schülern verfestigen.
Die Pädagogische Arbeitsstelle der Gedenkstätte bietet in Zusammenarbeit mit Gino Kuhn seit 2016 ein- oder mehrtägige Seminare zum Thema „Kunst und Aufarbeitung” an. Der Maler wurde 1975 selbst als Fluchthelfer inhaftiert und wegen „staatsfeindlichen Menschenhandels” verurteilt. Angeregt von seinen Erfahrungen in völliger Isolation entstehen künstlerische Werke, die die Gefühlswelt politischer Häftlinge nachempfinden. In Form von Acrylbildern, Kohle- und Bleistiftzeichnungen sowie Plastiken aus Ton befassen sich Schüler mit diktatorischen Systemen und ihren Auswirkungen auf menschliche Schicksale.



Gedenkstätte klärt Schüler über Linksextremismus auf
Familienministerium fördert neuartiges Bildungsprojekt


Die Gedenkstätte Berlin‑Hohenschönhausen startet 2015 mit einem neuen Bildungsprojekt zum Thema Linksextremismus. Im Rahmen des vom Bundesbildungsministerium geförderten Programms „Demokratie leben!” werden in der Gedenkstätte in den nächsten fünf Jahren Seminare und Projekttage für den politisch‑historischen Unterricht angeboten. Das Angebot versteht sich als außerschulische Ergänzung der Fächer Ethik, Politik und Wirtschaft, Gesellschaftslehre, Gemeinschaftskunde, Sozialkunde, Geschichte und Deutsch. Zielgruppe sind vor allem Jugendliche der Sekundarstufe II, der Oberstufe und von Berufsschulen. Ein Teil der Seminare findet direkt an den Schulen statt.
Bereits von 2012 bis 2014 hat die Gedenkstätte im früheren zentralen Stasi‑Gefängnis mit dem Projekt „Alles Geschichte? Linksextremismus in Deutschland heute” erfolgreich Schüler über aktuelle Formen linker Gewalt aufgeklärt. Mehr als 650 Seminare für rund 10.000 Jugendliche hat die Gedenkstätte in dem Zeitraum durchgeführt.
„Das Lernen am historischen Ort hat sich sehr bewährt,” erklärte Gedenkstättendirektor Hubertus Knabe. „Wo zu DDR‑Zeiten politische Häftlinge einsaßen, ist Aufklärungsarbeit gegen linksextremistische Ideologien besonders anschaulich.” ähnlich wie KZ‑Gedenkstätten beim Rechtsextremismus müssten auch Gedenkorte für die Opfer der SED‑Diktatur verstärkt den Bezug zur Gegenwart herstellen, so Knabe. Die vom Bund geförderte Initiative „Demokratie stärken!” lief Ende 2014 aus.
Eine aktuelle Studie des Politikwissenschaftlers Klaus Schroeder von der Freien Universität Berlin belegt, wie weit verbreitet heute linksextreme Auffassungen in der deutschen Bevölkerung sind. Schroeder geht im Ergebnis seiner repräsentativen Befragung von einem linksextremen Personenpotential von 17 Prozent der Bevölkerung aus. Während die Anzahl von Initiativen gegen rechte Gewalt sehr hoch sei, werde militanter Linksextremismus weitgehend verharmlost oder ignoriert. Das neue Modellprojekt der Gedenkstätte „Linke Militanz in Geschichte und Gegenwart” möchte diesem Missverhältnis entgegenwirken.



Bundestag will Mahnmal für Kommunismus‑Opfer
Hubertus Knabe begrüßt Initiative der Regierungsfraktionen
Der Direktor der Gedenkstätte Berlin‑Hohenschönhausen, Hubertus Knabe, hat die Initiative der Regierungsfraktionen im deutschen Bundestag begrüßt, ein Mahnmal für die Opfer des Kommunismus in Berlin zu errichten. „Nach jahrelangen Diskussionen wird es Zeit, für die Opfer politischer Verfolgung in der DDR ein Zeichen zu setzen. Der 25. Jahrestag der Wiedervereinigung ist ein guter Zeitpunkt dafür. Ich bitte alle Abgeordneten des Deutschen Bundestages, sich dem Entschließungsantrag der Regierungsfraktionen anzuschließen.”
CDU/CSU und SPD wollen am Freitag (02.10.) einen Antrag verabschieden, in dem die Errichtung eines Mahnmals für die Opfer des Kommunismus in Berlin beschlossen wird. In dem Antrag (Drucksache 18/6188) heißt es: „Der deutsche Bundestag fordert die Bundesregierung auf, im Rahmen der zur Verfügung stehenden Haushaltsmittel das Gedenkstättenkonzept des Bundes im Sinne des Koalitionsvertrages von CDU/CSU und SPD weiter zu entwickeln und dabei im Besonderen eine in dieser Legislaturperiode anstehende Initiative des deutschen Bundestages für ein Denkmal zur Mahnung und Erinnerung an die Opfer der kommunistischen Gewaltherrschaft an einem zentralen Ort in Berlin vorzubereiten und zu begleichen.” Das Denkmal geht auf eine Initiative der Union der Opferverbände kommunistischer Gewaltherrschaft (UOKG) zurück.
Bei einer Pressekonferenz der UOKG am heutigen Donnerstag in Berlin erklärte der Berliner CDU‑Generalsekretär Kai Wegener: „Wir haben jetzt zwei Jahre Zeit, das Denkmal so vorzubereiten, dass sein Bau unwiderruflich ist.” Er sagte, mit der Staatsministerin für Kultur und Medien, Monika Grütters, über die Finanzierung der Planungskosten im Bundeshaushalt 2016 sprechen zu wollen.
Gedenkstättendirektor Hubertus Knabe kündigte an, dass man auch bei den anstehenden Feierlichkeiten zum 25. Jahrestag der Wiedervereinigung auf das Anliegen hinweisen wolle. Die Gedenkstätte wird mit einem ehemaligen Gefangenentransporter der DDR vor der Hessischen Landesvertretung in Berlin über die Stasi‑Vergangenheit informieren. Mit einem weiteren Gefangenentransporter wird die Gedenkstätte an den zentralen Einheitsfeiern in Frankfurt am Main teilnehmen.



„Initiativgemeinschaft Ehemaliges Polizeigefängnis Keibelstraße”

DDR‑Polizeigefängnis soll Lernort werden
Ehemalige Häftlinge gründen Initiativgemeinschaft





Ehemalige Häftlinge der DDR‑Volkspolizei haben am 22. Juli 2014 zusammen mit anderen Interessierten eine Initiative gegründet, im früheren Polizeigefängnis am Berliner Alexanderplatz einen Lernort zu schaffen. In der Gründungserklärung heißt es: „Der siebengeschossige Zellenbau eignet sich in besonderer Weise, um an einem authentischen Ort zur Auseinandersetzung mit den Formen politischer Verfolgung, der Entrechtung der Bürger und des staatlichen Machtmissbrauchs in der DDR anzuregen. Die Initiativgemeinschaft Ehemaliges Polizeigefängnis Keibelstraße setzt sich deshalb dafür ein, mit Führungen, Ausstellungen, Veranstaltungen und Seminaren die Geschichte des Hauses und der DDR‑Volkspolizei als Stütze der SED‑Diktatur darzustellen.”
Die Initiative will ab sofort bei den Mitgliedern des Berliner Abgeordnetenhauses und dem Berliner Senat um Unterstützung für ihr Anliegen werben. Im Oktober soll eine öffentliche Veranstaltung durchgeführt werden. Zu Sprechern wurden die ehemaligen Häftlinge Rainer Dellmuth und Harry Santos gewählt, Stellvertretende Sprecherin ist die frühere Gefangene Bärbel Henrich.

Die Gründungserklärung hat folgenden Wortlaut:
Die „Initiativgemeinschaft Ehemaliges Polizeigefängnis Keibelstraße” ist ein Zusammenschluss ehemaliger Gefangener der Untersuchungshaftanstalt II im Ost‑Berliner Volkspolizeipräsidium und anderer an der Geschichte dieses Haftortes Interessierter. Gemeinsam setzen sie sich für eine Nutzung dieses beeindruckenden Zeugnisses polizeilicher Willkür in der DDR als Lernort der historisch‑politischen Bildung ein.
Im System der politischen Justiz in der DDR spielte die Untersuchungshaftanstalt II im Polizeipräsidium eine wichtige Rolle. Neben Kriminellen waren hier auch zahlreiche Oppositionelle, Regimekritiker, Fluchtwillige und Teilnehmer an verbotenen Protestkundgebungen inhaftiert. Viele Gefangene der Stasi‑Untersuchungsgefängnisse Berlin‑Hohenschönhausen und Berlin‑Pankow wurden zuerst hierhin gebracht und hier erstmals verhört.
Das Gefängnis steht seit 1996 leer. Der Zellentrakt zwischen der Keibel‑ und der Bernhard‑Weiß‑Straße ist weitgehend vollständig geblieben und steht unter Denkmalschutz. Das Gebäude gehört zum Vermögen des Landes Berlin und wird derzeit nicht genutzt. Die „Initiativgemeinschaft Ehemaliges Polizeigefängnis Keibelstraße” sieht in dem Gefängnistrakt ein einmaliges zeitgeschichtliches Baudenkmal, das es zu erhalten gilt und das als Ausstellungs‑ und Bildungsort zugänglich gemacht werden soll.
Der siebengeschossige Zellenbau eignet sich in besonderer Weise, um an einem authentischen Ort zur Auseinandersetzung mit den Formen politischer Verfolgung, der Entrechtung der Bürger und des staatlichen Machtmissbrauchs in der DDR anzuregen. Die „Initiativgemeinschaft Ehemaliges Polizeigefängnis Keibelstraße” setzt sich deshalb dafür ein, mit Führungen, Ausstellungen, Veranstaltungen und Seminaren die Geschichte des Hauses und der DDR‑Volkspolizei als Stütze der SED‑Diktatur darzustellen. Auch die bislang wenig beachtete Funktion der Volkspolizei als Vorfeld‑ und Hilfsorganisation des Staatssicherheitsdienstes sollte hier thematisiert werden. Dabei sollten vor allem junge Menschen, aber auch Polizeibeamte, Justizbeschäftigte und andere Interessierte über die Rolle der Polizei in der SED‑Diktatur informiert werden.
Die Initiativgemeinschaft verfolgt das Ziel, die Öffentlichkeit über die Existenz des ehemaligen Polizeigefängnisses zu informieren und für die Zugänglichmachung als Bildungs‑ und Lernort zu werben.
Die Gedenkstätte Berlin‑Hohenschönhausen hat ihr Interesse bekundet, das ehemalige Polizeigefängnis als einen Lernort zu entwickeln und zu betreiben. Über 600 Hohenschönhausen‑Häftlinge wurden während ihrer Haftzeit in dem Ost‑Berliner Polizeigefängnis verhört und gefangen gehalten. Die „Initiativgemeinschaft Ehemaliges Polizeigefängnis Keibelstraße” regt daher an, als ersten Schritt die Stiftung Gedenkstätte Berlin‑Hohenschönhausen mit der Ausarbeitung eines Betriebskonzeptes und einer Kostenschätzung zu beauftragen.
Die „Initiativgemeinschaft Ehemaliges Polizeigefängnis Keibelstraße” bietet an, an der Ausarbeitung eines inhaltlichen Konzeptes aktiv mitzuarbeiten. Sie arbeitet dafür sie mit allen interessierten Institutionen und Einzelpersonen zusammen und bittet insbesondere die Mitglieder des Berliner Abgeordnetenhauses um Unterstützung. Ziel ist es, im ehemaligen Polizeigefängnis einen Erinnerungsort zu schaffen, der die Gedenkstättenlandschaft Berlins um einen bisher unbeachteten Aspekt bereichert. Sie ruft den Berliner Senat auf, für die dauerhafte Nutzung des ehemaligen Polizeigefängnisses Untersuchungshaftanstalt als Ort der historisch‑politischen Bildung Sorge zu tragen.


Kontakt
Initiativgemeinschaft Ehemaliges Polizeigefängnis Keibelstraße
Rainer Dellmuth und Harry Santos (Sprecher)
Kladower Damm 306
14089 Berlin
Mail: RvonArtenfels@aol.com
Mobil: 0177‑5644711 und 0173‑8357668