Chronologie
Das Gelände der heutigen Gedenkstätte Berlin‑Hohenschönhausen in der Genslerstraße gehörte zunächst dem Maschinenfabrikanten Richard Heike, der das Grundstück 1938 an die Nationalsozialistische Volkswohlfahrt (NSV) verkaufte. Die NSV erbaute dort eine Großküche als nationalsozialistischen Musterbetrieb.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges errichtete die sowjetische Besatzungsmacht auf dem Gelände
ein Internierungslager, das Speziallager Nr. 3. Es diente als Sammel‑ und Durchgangslager
für Personen, die als potentielle NS‑Verbrecher oder feindliche Elemente verhaftet worden
waren. Zwischen Mai 1945 und Oktober 1946 waren im Speziallager Nr. 3 mehr als 20 000 Menschen
inhaftiert. Nach den bisher vorliegenden Quellen haben zwischen 900 und 3 000 Menschen die Haftzeit nicht
überlebt.
Ab Oktober 1946 diente der Lagerkomplex der sowjetischen Besatzungsmacht als zentrales
Untersuchungsgefängnis. Der Keller der Großküche wurde zum U‑Boot
mit unterirdischen, fensterlosen Zellen umgebaut. Noch heute sind dort die Spezialzellen zu sehen,
in denen gefoltert wurde. Die Häftlinge wurden durch tagelangen Arrest, stundenlanges Stehen,
Schlafentzug oder durch den Aufenthalt in Wasserzellen zu Geständnissen gezwungen.
Im Sommer 1951, knapp zwei Jahre nach Gründung der DDR, übernahm das Ministerium
für Staatssicherheit (MfS) das Gefängnisgelände, das bis zu dessen Auflösung
Ende 1989 als zentrales Untersuchungsgefängnis genutzt wurde. In dieser Zeit waren dort etwa
11 000 Menschen inhaftiert, überwiegend aus politischen Gründen. Darunter waren Streikführer
des Aufstands vom 17. Juni 1953, Reformkommunisten wie der Schriftsteller Walter Janka oder der aus
Berlin (West) entführte Rechtsanwalt Walter Linse, der nach seiner Deportation 1953 in der Sowjetunion
hingerichtet worden ist.
Ende der fünfziger Jahre wurde der Gefängniskomplex um einen Neubau erweitert,
der von Strafgefangenen des benachbarten Lager X errichtet wurde. Der dreigeschossige
Bau enthielt neben den über 100 Gefängniszellen einen gesonderten Trakt mit etwa 120
Vernehmerbüros. Das berüchtigte U‑Boot wurde ab 1960/1961 nur noch
als Materiallager genutzt.
Mit der Inbetriebnahme des Neubaus veränderten sich die Haftbedingungen nur scheinbar.
Statt brutaler Misshandlung im Kellerverlies wurden die Gefangenen im Neubau jetzt psychologisch behandelt.
Das Ziel des MfS blieb jedoch unverändert: Die Zerstörung der Persönlichkeit des Häftlings,
um dessen Widerstand zu brechen. Der Schriftsteller Jürgen Fuchs war als Insasse des zentralen
Untersuchungsgefängnis ein Opfer dieser Praktiken.
Nach dem Fall der Mauer am 9. November 1989 war das Ende der Untersuchungshaftanstalt (UHA) des MfS absehbar.
Infolge eines Amnestiebeschlusses des DDR‑Staatsrates kamen auch in Hohenschönhausen Häftlinge
frei. Anfang 1990 wurde das MfS und seine Nachfolgeorganisation aufgelöst, bald nach der Wiedervereinigung
am 3. Oktober 1990 die Haftanstalt geschlossen.
Am 1. Dezember 1995 ist die Gedenkstätte Berlin‑Hohenschönhausen als
gemeinsame Einrichtung des Bundes und des Landes Berlin gegründet worden. Der weitläufige
und weitgehend unveränderte Gefängnisbau wurde unter Denkmalschutz gestellt. Die Zahl der
Besucher der Gedenkstätte ist in den vergangenen Jahren erheblich gestiegen. Während 1995
lediglich 7 300 Menschen das ehemalige MfS‑Gefängnis aufsuchten, sind es inzwischen mehr
als 141 000 pro Jahr.
Im November 2003 haben ehemalige Häftlinge, Bürgerrechtler, Politiker, Wissenschaftler und
Publizisten den Förderverein Gedenkstätte Berlin‑Hohenschönhausen
gegründet. Der Förderverein fühlt sich verpflichtet, das größte Gefängnis
des DDR‑Staatssicherheitsdienstes als würdigen Ort des Gedenkens an die Opfer kommunistischer
Gewaltherrschaft zu erhalten und als Gedenkort weiter zu entwickeln.
Die Bundeszentrale für politische Bildung hat den Förderverein 2004 mit
dem Einheitspreis in der Kategorie Kultur ausgezeichnet.
Im Juli 2007 hat der Förderverein der Gedenkstätte Berlin‑Hohenschönhausen
einen Aufarbeitungspreis ausgelobt.
Er fördert die kritischen Auseinandersetzung mit der
kommunistischen Diktatur. Erstmalig verliehen wurde der Hohenschönhausen‑Preis
am 26. November 2008 an den Schriftsteller Joachim Walther.
Nachstehend die PDF‑Version der neuesten Ausgabe des Fördervereins‑Flyers zum Download:
Flyer des Fördervereins, Stand:2010 (pdf, 300 kb)










