Freya Klier
Die Regisseurin Freya Klier trug Ende der 1980er Jahre an führender Stelle zum Sturz der
SED‑Diktatur bei. 1950 in Dresden geboren, erlebte sie als kleines Kind die Verhaftung ihres
Vaters, der 1953 zu einem Jahr Gefängnis verurteilt wurde. Nachdem 1966 auch ihr 17jähriger
Bruder wegen Staatsverleumdung zu vier Jahren Zuchthaus verurteilt wurde, versuchte sie
im Alter von 18 Jahren, die DDR mit einem schwedischen Handelsschiff zu verlassen. Sie wurde jedoch
verraten und zu 16 Monaten Gefängnis verurteilt, von denen sie insgesamt 12 Monate absaß.
Nach Gelegenheitsarbeiten, einer Schauspielerausbildung und einem Regiestudium war sie seit 1982 an
verschiedenen Theatern der DDR tätig. Fast alle ihre Inszenierungen erregten jedoch die Kritik
der Parteiverantwortlichen und wurden deshalb nach kurzer Zeit wieder abgesetzt oder von anderen
uminszeniert. Seit Anfang der 1980er Jahre engagierte sich Klier in der unabhängigen
Friedensbewegung im Schutzraum der evangelischen Kirchen in der DDR. 1985 wurde sie aus dem
DDR‑Theaterverband ausgeschlossen und erhielt faktisch Berufsverbot. Mit ihrem damaligen
Lebensgefährten Stephan Krawczyk stellte sie daraufhin gesellschaftskritische Programme zusammen,
mit denen sie vor allem in Kirchen und Gemeinderäumen vor zahlreichen Zuschauern auftraten.
Gleichzeitig arbeitete sie an einem auf Interviews basierenden Buch über das Erziehungs‑
und Bildungssystem der DDR. Das Ministerium fur Staatssicherheit (MfS) bemühte sich massiv,
ihre staatsfeindlichen Bestrebungen zu unterbinden, veranlasste Ordnungsstrafen und überzog
sie mit so genannten Zersetzungsmaßnahmen. Nach dem Freya Klier im Januar 1988 gegen eine
Verhaftungswelle am Rande einer offiziellen Demonstration für die ermordeten Kommunistenführer
Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht protestiert hatte, wurde sie selber festgenommen und in das
Untersuchungsgefängnis Berlin‑Hohenschänhausen eingeliefert. Unter der Drohung
einer mehrjährigen Gefängnisstrafe unterschrieb sie dort auf Anraten ihres Anwalts
Wolfgang Schnur, der sich später als Inoffizieller Mitarbeiter (IM) des Staatssicherheitsdienstes
entpuppte, einen Ausreiseantrag. Nach ihrer Ausbürgerung lebte und arbeitete Klier in
West‑Berlin. In zahlreichen Büchern und Filmen setzte sie sich für eine
kritische Aufarbeitung der kommunistischen, aber auch der nationalsozialistischen Diktatur ein.
Heute arbeitet sie als freischaffende Autorin und Filmregisseurin.
Die DDR‑Bürgerrechtlerin Freya Klier wurde am 07. Juni 2011 im Rahmen eines Defilees im Weißen Haus vom amerikanischen Präsidenten Barack Obama,
seiner Frau Michelle und Bundeskanzlerin Angela Merkel zum Gedenken an den 50. Jahrestag des Mauerbaus empfangen.
Als erste der ehemals in Hohenschönhausen Inhaftierten wurde ihr diese Ehre zu Teil.































