Vera Lengsfeld
Vera Lengsfeld, geschiedene Wollenberger, gehörte zu den führenden Figuren der DDR‑Bürgerrechtsbewegung.
1952 in Sondershausen/Thüringen geboren, wuchs sie in Ost‑Berlin in einem regimekonformen Elternhaus auf.
Nach einem Studium der marxistischen Philosophie in Leipzig und Berlin, arbeitete sie seit 1975 an der
Akademie der Wissenschaften der DDR und seit 1981 als Lektorin im Verlag Neues Leben.
Von 1975 bis 1983 gehörte sie der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) an.
1981 zählte sie zu den Mitbegründern des Pankower Friedenskreises und des dortigen Ökokreises.
Wegen öffentlicher Proteste gegen die Stationierung sowjetischer Atomraketen in der DDR wurde
sie 1983 aus der SED ausgeschlossen und erhielt Berufsverbot. In der folgenden Zeit verdiente sie als
Imkerin und Übersetzerin ihren Lebensunterhalt. 1985 begann sie schließlich am Sprachenkonvikt der
evangelischen Kirche in der DDR ein Theologiestudium. Sie organisierte maßgeblich verschiedene
Friedenswerkstätten und Ökoseminare und war 1987 Mitbegründerin der Gruppe Kirche von unten.
Das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) überwachte und verfolgte sie jahrelang in einem Operativen Vorgang.
Dabei kam auch ihr eigener Ehemann Knut Wollenberger zum Einsatz, der als Inoffizieller Mitarbeiter (IM)
für den Staatssicherheitsdienst tätig war. Wegen versuchter Zusammenrottung wurde sie im Januar 1988
im Vorfeld einer offiziellen Demonstration für die ermordeten Kommunistenführer Rosa Luxemburg und Karl
Liebknecht verhaftet und kam in die Untersuchungshaftanstalt Berlin‑Hohenschönhausen.
Nach ihrer Verurteilung durch das Stadtbezirksgericht Lichtenberg wurde sie jedoch mit einem
befristeten Visum nach England abgeschoben. Im November 1989 kehrte sie in die DDR zurück und
trat in die neu gegründete Grüne Partei ein. Nach der Enttarnung ihres Ehemanns als Spitzel
ließ sie sich scheiden und nahm wieder ihren Mädchennamen an. 1996 trat sie von den
Bündnisgrünen zur CDU über. Im selben Jahr beteiligte sie sich an der Gründung
des Bürgerbüros zur Aufarbeitung von Folgeschäden der SED‑Diktatur.
Literaturhinweise:
Lengsfeld, Vera,
Virus der Heuchler, Innenansicht aus Stasi‑Akten (1992);
Von nun an ging`s bergauf. Mein Weg zur Freiheit (2002);
Was sich in Politik und Gesellschaft ändern muss. Umdenken lohnt. Freiheit und Fairness statt Gleichheit und Gerechtigkeit (2006);
Ich wollte frei sein: Die Mauer, die Stasi, die Revolution (2011).































