Was politische Verfolgung bedeutet, hat die Regisseurin und Schriftstellerin Freya Klier am eigenen Leib erfahren müssen. Wegen ihrer Kritik am SED-Regime in Ungnade gefallen und mit Berufsverbot verlegt, wurde sie in den 80er Jahren in der DDR politisch verfolgt, schließlich 1988 verhaftet, in der Untersuchungshaftanstalt der Stasi in Berlin-Hohenschönhausen inhaftiert und am Ende in den Westen abgeschoben. Neben ihrer heutigen künstlerischen Tätigkeit und für die kritische Aufarbeitung der kommunistischen Diktatur setzt sie sich heute für politisch Verfolgte ein. Am internationalen „Tag des verfolgten Schriftstellers“, dem 15. November organisierte sie mit Kollegen vom „PEN Club deutschsprachiger Autoren“ vor der russischen Botschaft in Berlin eine Demonstration für mehrere ukrainische Schriftsteller und Journalisten, die von russischen Sicherheitskräften in den von Russland okkupierten Gebieten auf der Krim und in der Ost-Ukraine inhaftiert und verschleppt wurden. „Wir fordern die Freilassung sämtlicher Ukrainer, die von der russischen Besatzungsmacht verschleppt wurden, weil sie ihre Heimat verteidigt haben“, fordert Freya Klier.

Darunter der Filmemacher Oleg Sentsov, dessen „Verbrechen“ darin bestand, nach der russischen Annexion der Krim, wo er lebte, an einer Demonstration gegen die russische Besetzung teilgenommen zu haben. Nach seiner Verhaftung 2014 wurde er vom russischen Geheimdienst FSB misshandelt und im August 2015 von einem russischen Militärgericht zu 20 Jahren Lagerhaft wegen „Terrorismus“ verurteilt.

Dem Ukrainer Roman Suschtschenko, der als West-Korrespondent für die ukrainische Nachrichtenagentur Ukrinform aus Paris berichtete, wurde im September 2016 eine private Reise nach Moskau zum Verhängnis. Wegen seiner kritischen Artikel über Russland wurde er dort verhaftet und sitzt seitdem im berüchtigten Moskauer Lefortowo-Gefängnis. Weil er keinen Kontakt mit der Außenwelt aufnehmen durfte, galt er für seine Familie noch lange nach seiner Verhaftung als vermisst – ehe russische Menschenrechtler herausfanden, dass er in FSB-Haft sitzt.

Der Internet-Blogger Eduard Nedeljaev aus der von „Separatisten“ und der russischen Armee besetzten ostukrainischen Stadt Luhansk berichtete von dort über Twitter und in Blogs über das, was vor seiner Haustür vorgeht. Dafür wurde er im November 2016 von den russischen Sicherheitskräften verhaftet und im Juli 2017 wegen „Spionage“, „Verbreitung extremistischer Materialeien“ und „negativer Informationen über Bewohner der LNR (der “Luhansker Volksrepublik“) zu 14 Jahren Haft verurteilt.

Der freie Journalist Stanislav Aseev aus der ebenfalls von den „Separatisten“ und russischen Sicherheitskräften kontrollierten ukrainischen Millionenstadt Donezk berichtete bis Anfang 2017 – aus Sicherheitsgründen unter dem Pseudonym Stanislaw Vasin für ukrainische und ausländische Medien, darunter Radio Free Europa über den Alltag in der „Donezker Volksrepublik“ und politische Ereignisse. Am 3. Juni 2017 verschwand er spurlos. Erst sechs Wochen später bestätigten die Behörden der „DNR“, dass er verhaftet worden sei. Seine Mutter durfte ihn inzwischen einmal in der Haft besuchen, im Beisein von Vertretern der örtlichen Geheimpolizei, die sich dort  „Ministerium für Staatssicherheit“ nennt (MGB). Bei einer Anklage drohen ihm 12 bis 14 Jahre Haft.
Von Gerald Praschl 

 

Freya Klier und der Schriftsteller Marko Martin bei der Demo vor der russischen Botschaft in Berlin am 15. 11 2017