Aufstellung von Informationstafeln rund um die Gedenkstätte – eine denkwürdige Chronologie

Am 14. März 2006 fand im Rathaus Lichtenberg eine Bezirksverordnetenversammlung (BVV) statt. Thema war die geplante Aufstellung von vier Informationstafeln über das ehemalige Sperrgebiet rund um die Gedenkstätte Berlin‑Hohenschönhausen.
Die geplante Podiumsdiskussion (anwesend waren u.a. Gedenkstättenleiter Dr. Hubertus Knabe, der damalige Kultursenator Dr. Thomas Flierl, Reinhard Fuhrmann, ehemaliger Häftling und Besucherreferent der Gedenkstätte) wurde von etwa 200 ehemaligen Mitarbeitern des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) der DDR genutzt, die Arbeit der Gedenkstätte zu verunglimpfen, die ehemaligen Häftlinge als Lügner zu beschimpfen und die von ihnen begangene Verletzung der Menschenrechte zu relativieren und zu leugnen. Unter ihnen waren Siegfried Rataizik (Foto), der letzte Direktor des Untersuchungsgefängnisses, Wolfgang Schwanitz, letzter Leiter des Amtes für Nationale Sicherheit der DDR (AfNS) und Wolfgang Schmidt, MfS‑Insiderkommitee.
Dr. Thomas Flierl hatte es als zuständiger Senator auf der Sitzung nicht für nötig befunden, sich von diesen Äußerungen zu distanzieren. Dies rief einen Skandal nicht nur in den Berliner sondern auch in nationalen und internationalen Medien, in Politik und Gesellschaft hervor. Resultat war eine neuerliche und engagierte Diskussion über den Umgang mit der zweiten deutschen Diktatur.