„Initiativgemeinschaft Ehemaliges Polizeigefängnis Keibelstraße”

Ehemalige Häftlinge der DDR‑Volkspolizei haben am 22. Juli 2014 zusammen mit anderen Interessierten eine Initiative gegründet, im früheren Polizeigefängnis am Berliner Alexanderplatz einen Lernort zu schaffen.

In der Gründungserklärung heißt es: „Der siebengeschossige Zellenbau eignet sich in besonderer Weise, um an einem authentischen Ort zur Auseinandersetzung mit den Formen politischer Verfolgung, der Entrechtung der Bürger und des staatlichen Machtmissbrauchs in der DDR anzuregen. Die Initiativgemeinschaft Ehemaliges Polizeigefängnis Keibelstraße setzt sich deshalb dafür ein, mit Führungen, Ausstellungen, Veranstaltungen und Seminaren die Geschichte des Hauses und der DDR‑Volkspolizei als Stütze der SED‑Diktatur darzustellen.”

Die Initiative will ab sofort bei den Mitgliedern des Berliner Abgeordnetenhauses und dem Berliner Senat um Unterstützung für ihr Anliegen werben. Im Oktober soll eine öffentliche Veranstaltung durchgeführt werden. Zu Sprechern wurden die ehemaligen Häftlinge Rainer Dellmuth und Harry Santos gewählt, Stellvertretende Sprecherin ist die frühere Gefangene Bärbel Henrich.

Die Gründungserklärung hat folgenden Wortlaut:
Die „Initiativgemeinschaft Ehemaliges Polizeigefängnis Keibelstraße” ist ein Zusammenschluss ehemaliger Gefangener der Untersuchungshaftanstalt II im Ost‑Berliner Volkspolizeipräsidium und anderer an der Geschichte dieses Haftortes Interessierter. Gemeinsam setzen sie sich für eine Nutzung dieses beeindruckenden Zeugnisses polizeilicher Willkür in der DDR als Lernort der historisch‑politischen Bildung ein.
Im System der politischen Justiz in der DDR spielte die Untersuchungshaftanstalt II im Polizeipräsidium eine wichtige Rolle. Neben Kriminellen waren hier auch zahlreiche Oppositionelle, Regimekritiker, Fluchtwillige und Teilnehmer an verbotenen Protestkundgebungen inhaftiert. Viele Gefangene der Stasi‑Untersuchungsgefängnisse Berlin‑Hohenschönhausen und Berlin‑Pankow wurden zuerst hierhin gebracht und hier erstmals verhört.
Das Gefängnis steht seit 1996 leer. Der Zellentrakt zwischen der Keibel‑ und der Bernhard‑Weiß‑Straße ist weitgehend vollständig geblieben und steht unter Denkmalschutz. Das Gebäude gehört zum Vermögen des Landes Berlin und wird derzeit nicht genutzt. Die „Initiativgemeinschaft Ehemaliges Polizeigefängnis Keibelstraße” sieht in dem Gefängnistrakt ein einmaliges zeitgeschichtliches Baudenkmal, das es zu erhalten gilt und das als Ausstellungs‑ und Bildungsort zugänglich gemacht werden soll.
Der siebengeschossige Zellenbau eignet sich in besonderer Weise, um an einem authentischen Ort zur Auseinandersetzung mit den Formen politischer Verfolgung, der Entrechtung der Bürger und des staatlichen Machtmissbrauchs in der DDR anzuregen. Die „Initiativgemeinschaft Ehemaliges Polizeigefängnis Keibelstraße” setzt sich deshalb dafür ein, mit Führungen, Ausstellungen, Veranstaltungen und Seminaren die Geschichte des Hauses und der DDR‑Volkspolizei als Stütze der SED‑Diktatur darzustellen. Auch die bislang wenig beachtete Funktion der Volkspolizei als Vorfeld‑ und Hilfsorganisation des Staatssicherheitsdienstes sollte hier thematisiert werden. Dabei sollten vor allem junge Menschen, aber auch Polizeibeamte, Justizbeschäftigte und andere Interessierte über die Rolle der Polizei in der SED‑Diktatur informiert werden.
Die Initiativgemeinschaft verfolgt das Ziel, die Öffentlichkeit über die Existenz des ehemaligen Polizeigefängnisses zu informieren und für die Zugänglichmachung als Bildungs‑ und Lernort zu werben.
Die Gedenkstätte Berlin‑Hohenschönhausen hat ihr Interesse bekundet, das ehemalige Polizeigefängnis als einen Lernort zu entwickeln und zu betreiben. Über 600 Hohenschönhausen‑Häftlinge wurden während ihrer Haftzeit in dem Ost‑Berliner Polizeigefängnis verhört und gefangen gehalten. Die „Initiativgemeinschaft Ehemaliges Polizeigefängnis Keibelstraße” regt daher an, als ersten Schritt die Stiftung Gedenkstätte Berlin‑Hohenschönhausen mit der Ausarbeitung eines Betriebskonzeptes und einer Kostenschätzung zu beauftragen.
Die „Initiativgemeinschaft Ehemaliges Polizeigefängnis Keibelstraße” bietet an, an der Ausarbeitung eines inhaltlichen Konzeptes aktiv mitzuarbeiten. Sie arbeitet dafür sie mit allen interessierten Institutionen und Einzelpersonen zusammen und bittet insbesondere die Mitglieder des Berliner Abgeordnetenhauses um Unterstützung. Ziel ist es, im ehemaligen Polizeigefängnis einen Erinnerungsort zu schaffen, der die Gedenkstättenlandschaft Berlins um einen bisher unbeachteten Aspekt bereichert. Sie ruft den Berliner Senat auf, für die dauerhafte Nutzung des ehemaligen Polizeigefängnisses Untersuchungshaftanstalt als Ort der historisch‑politischen Bildung Sorge zu tragen.

Kontakt

Initiativgemeinschaft Ehemaliges Polizeigefängnis Keibelstraße
Rainer Dellmuth und Harry Santos (Sprecher)
Kladower Damm 306
14089 Berlin
Mail: RvonArtenfels@aol.com
Mobil: 0177‑5644711 und 0173‑8357668